….und sie bewegt sich doch!
Michael Barth | am 30. Juni 2011

Mobile Payments – oder Bezahlen mit dem Handy – kann in Deutschland bisher je nach Perspektive unter der Rubrik „Später“ oder „Brauchen wir nicht“ abgelegt werden. Ein Blick in den Rest der Welt zeigt, dass das Thema durchaus fliegen kann. In Kanada steht die Infrastrukturabdeckung für Mobile Payments schon bereit, ein Durchbruch wird noch 2011 erwartet. In den Niederlanden haben sich die drei größten Netzprovider mit den drei wichtigsten Banken zusammengetan. Dieses Beispiel verdeutlicht auch, woran es in Deutschland derzeit noch hängt: Deutschland ist ein ausgesprochenes EC-Kartenland, Banken sehen keine Notwendigkeit zum Rollout der neuen Technologie, und auch im Handel scheut man die Kosten für die neue Infrastruktur. Bisher waren in Deutschland nur Insellösungen, bei denen zum Beispiel per SMS Tickets für den öffentlichen Nahverkehr gelöst werden konnten, nutzbar.

Als Chance zum Durchbruch für das neue Zahlungsmodell wird einhellig die Verknüpfung von Near Field Communication (NFC)-Technologie mit dem Mobiltelefon gesehen. Die Handy-Hersteller haben das Potential dieser Technologie erkannt und planen sie aktuell zumindest für die neuen hochpreisigen Modelle ein. Das könnte Bewegung in die Sache bringen.

Und aktuell zeichnet sich tatsächlich einiges an Bewegung ab – sowohl auf Seiten der Banken als auch der großen Telekommunikationsbetreiber: der geschätzte Kollege Boris Janek verweist in seinem Blog Finance 2.0 auf einen Deal zwischen dem High-Tech-Security-Hersteller G&D und der Telekom, in dem es um NFC-fähige SIM-Karten geht. Auch das Handelsblatt ist hierauf schon aufmerksam geworden. Auf der anderen Seite sprechen die Sparkasse derzeit davon, das „Henne-Ei-Problem“ zu lösen, indem sie auf die Brückentechnologie der kontaktlosen Karten setzen.

Wer hier letztlich das Rennen machen wird, ob nun Telekommunikationsprovider oder Banken oder beide zusammen, ist noch nicht abzusehen. Klar ist jedoch, dass sich seit Googles "Wallet" ein neuer Player am Horizont abzeichnet, um den sich die Erde drehen könnte. In dieser Konstellation wäre zum Beispiel auch vorstellbar, dass sich Google (dann ausgestattet mit einer Banklizenz) einen großen Telko „unterschnallt“, um gezielt das Infrastruktur-Problem anzugehen.

Das würde den Banken einen der absehbar wichtigsten Kanäle zum Kunden, nämlich über das mobile Endgerät, vorerst nehmen. Deshalb sollten sich die Kreditinstitute schnell überlegen, wie sie teilhaben können an den Zahlungsverkehr-Geschäftsmodellen, die im Retailgeschäft die Zukunft sein werden. Denn nach jetzigem Stand wird die Sonne, um die sich alles drehen wird, zumindest in diesem Bereich bald durch andere Player gestellt. 

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